Der stille Exit: Warum jede Woche 350 Millionen Gesundheitsfragen nicht mehr bei Google landen

Avatar von Marcel Rudolph

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In der SEO-Blase wird viel über die Zukunft der Suche spekuliert. Doch wer einen Blick in die Daten wirft, stellt fest: Die Zukunft hat längst begonnen. Der „Shift“ von der klassischen Suchmaschine hin zu generativen KI-Tools ist kein theoretisches Szenario mehr, sondern messbare Realität – besonders in sensiblen Nischen wie der Gesundheit.

Die Zahlen lügen nicht: Der Rückgang bei Google

Betrachtet man die Google Trends der letzten 24 Monate für klassische medizinische Indikationen, zeigt sich ein konsistentes Bild. Begriffe wie „Trockene Kopfhaut“ oder „Blasenentzündung“ verzeichnen einen sichtbaren Rückgang im Trenbarometer.

Ein Beispiel aus der Praxis: Während der Gesamtmarkt für bestimmte medizinische Indikationen stabil geblieben ist, beobachten wir bei der klassischen Google-Suche dennoch einen signifikanten Rückgang. Das Suchvolumen ist hier im Schnitt um etwa 5 % gesunken. Da der Bedarf im Markt also nicht abnimmt, deutet dies massiv darauf hin, dass sich der Einstiegspunkt in den Informationsprozess verschiebt.

Wo sind die Nutzer hin? Eine Kalkulation des Health-Segments

Die Antwort lautet: ChatGPT, Gemini & Perplexity. Um die Dimensionen zu verstehen, müsst ihr euch die wöchentlichen Zahlen im Bereich Health-Suchanfragen ansehen:

  • Google: Ca. 7 Milliarden Gesundheitsanfragen pro Woche.
  • ChatGPT: Hier finden bereits 230 Millionen Gesundheitsanfragen pro Woche statt. Das ist eine gewaltige Zahl für ein Tool, das erst 3 Jahre alt ist.
  • Der Gesamtmarkt der KI-Tools: Rechnet man die Marktanteile von Gemini hinzu, summiert sich das Volumen auf ca. 350 Millionen Health-Anfragen jede Woche.

Damit wandern bereits rund 5 % des gesamten wöchentlichen Health-Suchvolumens direkt in KI-Antworten ab. OpenAI hat diesen Trend erkannt und mit „ChatGPT Health“ bereits begonnen, ein extra Angebot für diesen Sektor zu schaffen (erstmal nur in den USA und auch dort nur für einen kleinen Kreis).

Der „Information-Action-Gap“: Warum Google beim Kaufen gewinnt

Trotz dieser massiven Verschiebung in der Informationsphase beobachten wir ein interessantes Phänomen: Den Rücksprung zu Google.

Zwar lassen sich 5 % der Nutzer ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von einer KI erklären, doch sobald die Entscheidung für ein konkretes Produkt gefallen ist, bricht die Reise in der KI oft ab. Warum? Weil ChatGPT und Co. (noch) keine online shopping Kanal sind – und wahrscheinlich vielleicht auch nie sein werden.

Für die Transaktionsphase kehren die Nutzer zu Google zurück:

  • Um die passende Apotheke in der Nähe zu finden.
  • Um Preise zu vergleichen oder das Produkt direkt zu bestellen.
  • Um die Verfügbarkeit vor Ort zu prüfen.
  • Und auch um sich auf der Herstellerwebsite nochmal selbst zu belesen.

Das bedeutet: Die KI ist der neue „digitale Hausarzt“, aber Google bleibt die „digitale Ladentür“.

Warum das für das Marketing alles verändert

Diese Daten machen eines unmissverständlich deutlich: Wir sprechen hier nicht länger über ein reines SEO-Problem, sondern über eine strategische Herausforderung für die gesamte Markenführung entlang der Customer Journey.

  1. Vom „Blue Link“ zur Antwort: In der Informationsphase müsst ihr in der KI-Antwort stattfinden. Wer hier nicht zitiert wird, existiert für 350 Millionen Suchen pro Woche schlichtweg nicht.
  2. Der nahtlose Übergang: Wenn die KI euer Produkt empfiehlt, muss der Nutzer im nächsten Schritt bei Google sofort auf eure Anzeige oder euren Store-Locator treffen.
  3. GEO statt SEO: Generative Engine Optimization (GEO) sorgt dafür, dass die KI euer Produkt überhaupt als Lösung in Betracht zieht.

Fazit: Werdet zur Quelle der Wahrheit

Der Shift von 5 % in der Information ist erst der Anfang. Marken, die heute nicht in GEO investieren, riskieren, dass die Kaufentscheidung bereits in der KI gegen sie fällt – noch bevor der Nutzer überhaupt Google öffnet, um nach der nächsten Apotheke zu suchen.

Die Frage ist nicht mehr, ob die Suche umzieht, sondern ob ihr schon dort seid, wo die Empfehlungen ausgesprochen werden.

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