Mein Vorstellungsgespräch mit Baby – Wenn das Leben alle Pläne umwirft

Autor Marcel Rudolph
Veröffentlicht5. Juli 2026
Lesezeit 5 Min
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Titelbild: Mein Vorstellungsgespräch mit Baby – Wenn das Leben alle Pläne umwirft

Das Leben ändert sich für immer, wenn man erst einmal ein Baby hat. Viele sagen vorher, dass sie das nicht so stark zulassen wollen oder dass sich gar nicht so viel ändern muss. Doch ab der Geburt trägt man plötzlich eine ganz andere Verantwortung – und da ändert sich einfach alles, ob man nun will oder nicht.

Ich möchte euch hier die Geschichte von meinem wohl außergewöhnlichsten Vorstellungsgespräch erzählen – eine Reise zurück ins Jahr 2017, kurz nach der Geburt meiner ersten Tochter Edda. Wie es dazu kam, dass ich meine kleine Tochter mitnehmen musste, welche Hürden wir meistern mussten und wie das Ganze am Ende ausging.

Neues Leben als Papa – neuer Job? (Rückblick ins Jahr 2017)

Für mich stand damals mit der Geburt meiner ersten Tochter fest: Die Kleine steht ab jetzt an erster Stelle. Und wenn sie mein Leben dafür komplett auf den Kopf stellt, dann gehört das nun mal dazu. Ja, es ist einiges anders mit Baby. Und bereits in den ersten Monaten gab es Situationen, mit denen ich im Traum nicht gerechnet hätte…

Ein neues, spannendes Jobangebot

Es ergab sich die Gelegenheit für ein neues, sehr interessantes Jobangebot. Das wollte ich mir natürlich auf jeden Fall anhören. Also machten wir einen Termin für das Kennenlernen aus.

Genau in dieser Zeit hatte meine Frau allerdings immer wieder Probleme mit Gallensteinen. Und wie es das Schicksal so wollte, musste sie genau zwei Tage vor meinem Vorstellungsgespräch wieder einmal ins Krankenhaus eingeliefert werden…

Na gut, dachte ich, kein Problem. Unsere Tochter war ja mit im Krankenhaus, schließlich wurde sie noch gestillt. Ich hätte also problemlos alleine zum Termin fahren können.

Klinikum Südstadt Rostock

Gallenblasen-OP vs. Vorstellungsgespräch

Doch dann die Nachricht vom Arzt: Die Gallenblase musste schnellstmöglich entfernt werden – natürlich genau am Tag des Vorstellungsgesprächs.

Einen solchen Termin so kurzfristig abzusagen, ist kein schönes Gefühl. Aber wenn das Gegenüber dafür volles Verständnis zeigt und man unkompliziert einen neuen Termin vereinbaren kann, ist das meist schon das erste gute Zeichen für einen verständnisvollen Arbeitgeber. Zum Glück war es gar kein Problem, und wir verschoben das Gespräch ganz unkompliziert von Freitag auf Montag.

Neuer Termin, neues Problem…

Montagmorgen, 10:00 Uhr, sollte es so weit sein. Da ich unsere Tochter in diesen Tagen nachts mit nach Hause genommen hatte, fuhr ich morgens gegen 9:00 Uhr zu meiner Frau ins Krankenhaus, um ihr die Kleine zu geben – genau wie an den Tagen zuvor, da sie ja noch gestillt wurde. Die Tage davor war ich tagsüber immer mit vor Ort und konnte helfen, denn so eine Gallenblasenentfernung ist kein Zuckerschlecken und bringt einige Nachwehen mit sich.

Dort angekommen merkte ich sofort, dass wir ein Problem hatten: Meiner Frau ging es extrem schlecht. Sie konnte unsere Tochter im Liegen kaum stillen, geschweige denn sie hochnehmen. Ich musste Edda kurz vor dem Termin noch schnell wickeln, weil meine Frau nicht einmal aus dem Bett kam. Das ging ihr sichtlich an die Nieren und sie war mit den Kräften und den Nerven völlig am Ende.

Vorstellungsgespräch mit Baby – ist sowas überhaupt möglich?

Es blieb mir also nur eine einzige Möglichkeit: Ich musste unsere Tochter einfach mit zum Vorstellungsgespräch nehmen.

Nochmal verschieben wollte ich den Termin auf keinen Fall. Schließlich ist man vor solchen Gesprächen ohnehin sehr aufgeregt und froh, wenn man es hinter sich hat. Zudem zeigt es ja auch, wie wichtig einem der Termin ist.

Es blieb gar keine Zeit mehr, vorher in der Firma anzurufen und groß nachzufragen. Also packte ich die Kleine ein, fuhr los und rief von unterwegs aus dem Auto an, um zumindest kurz Bescheid zu geben, dass ich heute nicht alleine erscheine. 😉

Die Reaktion am Telefon war absolut entspannt. Schon an der Stimmlage konnte ich heraushören, dass man es dort genau so meinte: „Kein Problem, bringen Sie die Kleine einfach mit!“

Wenn das Baby im Gespräch wach wird…

Meine Tochter schlief zum Glück im Auto ein. Sie ließ sich auch nicht stören, als ich die Babyschale behutsam auf das Kinderwagengestell hiefte und ins Gebäude schob.

Es lief alles perfekt – bis ca. fünf Minuten nach zehn. Gerade einmal fünf Minuten hatten wir gesprochen, als sie dann tatsächlich wach wurde.

Ich schaukelte den Wagen mit einer Hand etwas hin und her, aber an Einschlafen war nicht mehr zu denken. Sie wurde unruhiger. Also nahm ich sie kurzerhand raus – erst auf den Schoß mit dem Versuch, ihr den Schnuller zu geben, was eher suboptimal klappte. Das Vorstellungsgespräch lief unterdessen munter weiter. So konnte ich also gleich mal meine Multitasking-Fähigkeit im Live-Test unter Beweis stellen!

Als das nicht half, drehte ich sie um, nahm sie über die Schulter und schaukelte sie ein wenig hoch und runter. Wir redeten und erzählten, manchmal bin ich auch aufgestanden und rumgegangen, um am Laptop etwas zu zeigen, und habe mich dann wieder hingesetzt. Ich war so im Redefluss, dass ich erst viel später mitbekommen hatte, dass meine Edda wieder tief und fest auf meinem Arm über meiner Schulter eingeschlafen war.

Papa und Tochter im Vorstellungsgespräch – ein perfektes Team

Am Ende haben wir eine gute Stunde rumbekommen – mit schlafendem Baby auf dem Arm. 😊 Danach wurden mir, während die Kleine selig weiterschlummerte, noch die Räumlichkeiten gezeigt, die Mitarbeiter vorgestellt und ich konnte allen direkt mal meine Tochter präsentieren. Als stolzer Papa macht man sowas natürlich ohnehin gerne!

Das war es also – mein Vorstellungsgespräch mit Baby. Völlig anders als geplant, aber diese Zeit mit meiner Tochter war etwas ganz Besonderes und hat uns extrem zusammengeschweißt.

Mein neuer Weg im Marketing

Es war absolut kein Fehler, alles ganz genau so zu machen. Am Ende stand die Zusage fest, und ich trat die Stelle als Head of Marketing an.

Auch wenn dieser Ausflug ins klassische Marketing damals genau der richtige Weg für mich war, wisst ihr ja sicherlich, dass es mich 2019 wieder voll in meine absolute Wohlfühlzone – den SEO-Bereich – zurückgezogen hat. Und heute? Heute steht bei mir beruflich fast alles im Zeichen von Künstlicher Intelligenz und GEO.

Trotzdem habe ich damals nach dem Gespräch erst noch meine Tochter gefragt, wie es ihr dort gefallen hat – sie hat mich nur angegrinst und die Zunge rausgestreckt. Das ist unsere Geheimsprache für „geil digga“! 😉

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