Warum ich beim Tippen blind der KI vertraue – und sonst nie
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Es gibt genau eine Sache, bei der ich mein eigenes Urteilsvermögen komplett ausschalte: beim Fußball-Tippen. Überall sonst prüfe ich jede Zahl, jeden Text, jede KI-Analyse doppelt. Aber bei der Tipprunde? Da folge ich der Empfehlung meines KI-Tools, ohne zu diskutieren. Warum das kein Widerspruch ist, sondern die eigentliche Pointe – darum geht es hier.
Mein Problem war nie das Fußballwissen
In Tipprunden war ich immer grottenschlecht. Und der Grund war nie fehlendes Wissen. Es waren meine Gefühle.
Ich habe regelmäßig gegen Bayern getippt. Ja, ich weiß. Bei WM und EM habe ich auf die Underdogs gesetzt, weil die ja auch mal gewinnen. Tun sie. Nur eben nicht oft genug, um damit eine Tipprunde zu gewinnen. Ich habe nicht das Wahrscheinliche getippt, sondern das, was ich mir gewünscht habe. Und das ist beim Tippen ungefähr die schlechteste Strategie, die es gibt.
Irgendwann war klar: Wenn ich je eine Chance haben will, muss ich mir vor allem selbst aus dem Weg gehen.
Also musste die KI ran
Ich habe mir ein kleines Tipp-Tool gebaut – einen KI-Assistenten mit einer einzigen, für mich heiligen Regel: erst recherchieren, dann tippen. Letzte Ergebnisse, aktuelle Tabelle, Formkurve der Mannschaften. Keine Prognose aus dem Bauch des Modells, kein „ich glaube schon". Fakten zuerst, Tipp danach.
Die KI liefert die Analyse. Ich gebe sie ein. Fertig. Kein Bauchgefühl, kein „aber diesmal fühlt sich das anders an".
Die Ergebnisse – ehrlich gerechnet
Damit es glaubwürdig bleibt, fange ich mit dem Rückschlag an: In der letzten Bundesliga-Saison hat mir das erstmal wenig gebracht. Platz 35 von 45. So viel zur Wunderwaffe.
Bei dieser WM sah es anders aus. Einmal Platz 1 – mit großem Abstand (von 15). Einmal Platz 6 (von 38). Und bei CHECK24 Platz 257.000 von über 4 Millionen. Klingt erstmal nach nichts, ist aber das obere Prozent.
Ein solider Erfolg also. Aber eben nicht der ganz große Wurf.
Lag's am Modell? Kann sein. Beweisen kann ich es nicht.
Zwischen dem Bundesliga-Flop und den WM-Erfolgen hat sich vor allem eine Sache geändert: Damals lief mein Tool noch auf Gemini 3.0 bzw. 3.1, bei der WM auf Gemini 3.5. Gleiches Vorgehen, anderes Modell.
Lag es also an der Version? Kann sein. Aber ich behaupte es nicht. Eine Saison und eine WM sind eine viel zu kleine Stichprobe, um daraus ein Gesetz abzuleiten. Und der ganz große Wurf wird es ohnehin nie – weil beim Fußball zu viele Einflüsse und schlicht zu viel Zufall mitspielen, die keine KI der Welt voraussehen kann. Genau das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Mal schauen, was die neue Bundesliga-Saison bringt.
Der eigentliche Punkt: Wann Bauchgefühl hilft – und wann es schadet
Neulich ist mir auf LinkedIn ein Beitrag von Prof. Dr. Daniela Wiehenbrauk begegnet. Sie hat ein WM-Tippspiel mit KI-Unterstützung gewonnen und daraus einen klugen Schluss gezogen: Sie sei nie blind der KI gefolgt, die Entscheidung sei immer bei ihr geblieben. Gewonnen habe nicht die KI, sondern die Kombination aus den richtigen Fragen und eigenem Urteil.
Und an genau dieser Stelle muss ich widersprechen – zumindest für mich.
Bei mir ist es nämlich andersrum. Ich entscheide mich nie gegen die Empfehlung der KI. In der Sekunde, in der ich „ja, aber mein Bauchgefühl" denke, geht es schief. Beim Tippen ist mein Bauchgefühl kein Korrektiv. Es ist die Fehlerquelle. Es ist der Grund, warum ich jahrelang gegen Bayern getippt habe.
Für mich heißt „eigenes Urteil einbringen" beim Tippen also: zu erkennen, dass ich mich raushalten muss.
Was das mit dem Job zu tun hat
Und jetzt kommt der Teil, der mir wichtig ist: Das gilt nur beim Tippen.
Überall sonst wird nichts ungeprüft übernommen. Kein Text, keine Zahl, keine SEO-Analyse für einen Kunden geht raus, ohne dass ich sie gegengecheckt habe. Da ist Skepsis Pflicht, und da ist mein eigenes Urteil das Wichtigste, was ich habe.
Der Unterschied ist also nicht „KI vertrauen" oder „KI nicht vertrauen". Diese Frage ist zu grob. Die eigentliche Kompetenz ist eine andere: zu wissen, wann das eigene Urteil hilft – und wann es einem im Weg steht.
Beim Tippen weiß ich das jetzt.
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